Rückblick
9. September 2010 bis 3. Oktober 2010
Wenn (nicht nur) Architekten träumen dürfen...
Neue Projektideen für Frankfurt
In der Ausstellung „Wenn Architekten träumen dürfen. Neue Projektideen für Frankfurt” wurden im historischen museum frankfurt elf Visionen Frankfurter Architekten gezeigt, die unabhängig von wirtschaftlichen, planungsrechtlichen und politischen Vorgaben ihr Traumprojekt frei entwarfen. Das historische museum animierte seine Besucher, gemeinsam mit den Architekten zu träumen und ihre Vorstellungen von einem anderen Frankfurt zu skizzieren. Ein Resümee.
Die Rhein-Main-Zeitung, der Regionalteil der F.A.Z., hatte elf renommierte Frankfurter Architekturbüros gebeten, jeweils einen Entwurf zu fertigen, der auf Budgets, Gesetze, Eigentumsverhältnisse und auch auf die öffentliche Meinung keine Rücksicht nehmen muss. Kein Platz galt in dieser Versuchsanordnung als unbebaubar, kein Bestandsgebäude als unantastbar. Es ging nicht um ein konkretes Programm für Frankfurt, die Ausstellung sollte zeigen, was denkbar ist.
Die einzelnen Entwürfe der Architekten:
- Mut zur klaren Kante
- Eine Stadt wie eine geflickte Jeans
- Vertikaler Hinterhof im Schwarzen Loch der Stadt
- Zollfreier Einkaufsbummel hoch über der Zeil
- Eine weiße Bühne in der Mitte der Stadt
- Kaimauern schleifen, Sandstrand aufschütten
- Schönere Räume im Untergrund
- Das Literaturhaus als Foyer einer weißen Stele
- Die Bebauung des Himmels
- Sommerpavillon nach Vorbild eines Tannenzapfens
- Ein Ort des Dialogs unter dem Paulsplatz
Wenn Besucher träumen dürfen
„Ich träume von einer Stadt, in der alles in Bewegung ist und doch in sich ruht.” Was eine Besucherin der Ausstellung poetisch ausdrückte, formulierten andere Besucher mit konkreten Gestaltungswünschen für die Stadt. Eine City-Maut für eine fahrradfreundlichere Innenstadt, ein speakers corner und ein walk of fame für Frankfurt, Lavendel und Rosen für den Goetheplatz, eine drogenfreie Konstablerwache, das zweitgrößte Hochhaus der Welt, Badeinseln im Main, ein Viktualienmarkt für Frankfurt, hängende Gärten oder Dachterrassen auf den Hochhäusern – diese „Träume” sind nur wenige Beispiele für die über 100 Beiträge, die die Besucherinnen und Besucher im Rahmen der einmonatigen Ausstellung eingebracht haben.
Trotz der Vielschichtigkeit der skizzierten Träume lässt sich ein Meinungsbild in den Beiträgen ablesen: Die Stadt soll ein grüner Lebensraum sein. Mehrmalige Nennungen, wie eine autofreie Innenstadt, Untertunnelungen für den Auto-Verkehr, der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, die Wiederbelebung des Mainufers, die Schaffung von mehr Parks, Grünflächen und Plätzen mit Aufenthaltsqualität zeugen davon. Es ist wohl auch dieser Gemeinsinn, der sich in den Besucherfavoriten der Frankfurter Architekturentwürfe zeigt:
Als eindeutigen Favorit erkoren die Besucherinnen und Besucher den Entwurf von Stefan Forster, der am Beispiel der Elbestraße im Bahnhofsviertel zeigt, wie eine verkehrsberuhigte und durch Vorgärten begrünte Stadt aussehen kann. Zweiter Besucherliebling ist das Konzept des Architektentrios Ferdinand Heide, Thomas Meurer und Ingo Schrade, die eine Stärkung der Wallanlage als öffentliche Grünfläche und eine Verdichtung der sie umgebenden Bebauung vorsehen. Den dritten Platz teilen sich drei Visionen: Das Strandbad am „Nizza” von Albert Dietz und Anett-Maud Joppien, der Sommerpavillon am Mainufer in der Höhe der Weseler Werft von der Bürogemeinschaft Scheffler/Menges und die Gestaltung der B-Ebenen, Parkhäuser und U-Bahn-Stationen von Till Schneider und Michael Schumacher.
Das rege Besucherinteresse daran, eigene Vorstellungen von einem anderen Frankfurt einzubringen und die hohe und diskussionsfreudige Teilnahme an den beiden Podiumsveranstaltungen am 15. September und 1. Oktober zeigten, dass eine qualifizierte Debatte darüber angeregt wurde, was möglich und was nötig ist. Eine Auswertung der Besucherbeiträge hat das historische museum dem Stadtplanungsamt zugesandt.








