PRESSEMITTEILUNG vom 11. Mai 2011 zum Download (Pdf)
35 Jahre Maßstäbe setzen: Die Geschichte hinter der Geschichte. Das historische museum frankfurt zeigt die Sonderausstellung „Treuners Frankfurt. Das Altstadtmodell des historischen museums und sein Kontext”
Besucher können sich ihr eigenes Bild ab Dienstag, 17. Mai im Kundenzentrum der Frankfurter Sparkasse machen
1:200 – das ist der eine Maßstab. Ein Abbild der Altstadt, das die Frankfurter zum Idealbild erklärten – das ist der andere. Die Brüder Robert und Treuner setzten 35 Jahre lang Maßstäbe und schufen ein Modell der Frankfurter Altstadt. Es zeigt den Zustand der historischen Gebäude und Straßenzüge von 1927 in sauber bemalten Gassen und Fassaden. Was das Modell nicht zeigt, sind die damaligen sozialen und hygienischen Zustände: verschmutzte Gassen, verfallene Häuser, Krankheit und Armut. Besucher können ab Dienstag, 17. Mai 2011 einen Einblick in diese Welt bekommen und sehen, wie sie idealisiert worden ist. Denn dann startet das historische museum frankfurt in den Räumen der Frankfurter Sparkasse die neue Sonderausstellung „Treuners Frankfurt. Das Altstadtmodell des historischen museums und sein Kontext”. Neben diesem Modell werden erstmals die dazu gehörigen Skizzenbücher, Pläne und Bauzeichnungen aus dem Entstehungsprozess sowie Objekte aus dem gesamten künstlerischen Repertoire der Brüder Treuner gezeigt: Dazu zählen vier weitere Modelle im Original und über 50 Gemälde, Zeichnungen und Aquarelle. Hinzu kommen rund 150 Grafiken und Fotografien anderer Frankfurter Künstler. Die Ausstellung läuft bis zum 30. September 2011, der Eintritt ist frei.
Detailgetreu, nachhaltig und geschichtsträchtig
In der Ausstellung sehen die Besucher, was die Brüder Robert und Hermann Treuner in rund 35-jähriger akribischer und detektivischer Kleinstarbeit geschaffen haben: Sie vermaßen, skizzierten, stanzten, sägten, schnitten und malten. Entstanden ist ein 5,60 x 2,50 Meter großes Modell der Frankfurter Altstadt aus Holz, Karton und Papier mit 65 Einzelteilen. Das Besondere an dem Modell ist, dass sich an der über Jahrzehnte hinweg wandelnden Rolle des Modells für die Frankfurter die Geschichte Frankfurts und seines Städtebaus mit seinen Debatten um Rekonstruktion und Moderne ablesen lässt: Beauftragt wurde es vom Museum in einer Zeit andauernder Sanierungspläne, zuletzt 1926 seitens des Stadtbaurats Ernst May. Seit den Bombenangriffen 1944 (das Modell lag während des Krieges geschützt in einem Bunker) diente es denjenigen Frankfurtern, die eine Rekonstruktion befürworteten, als Vorlage für den Wiederaufbau. In den 1950er Jahren, die geprägt waren von einem verlorenen Krieg und massiven Zerstörungen der Städte, wurden das Modell und seine Erbauer nahezu populär. Zuletzt war es im Hauptgebäude des historischen museums frankfurt am Römerberg zu sehen und ein Highlight für die Besucher: Touristen konnten sich anhand des Modells einen ersten Überblick von Frankfurt verschaffen. Für viele Einheimische steht das Modell für ihr altes Frankfurt. Aus den in der Ausstellung präsentierten Plänen und Aufmaßen geht hervor, wie sorgfältig und genau die Brüder jeden einzelnen Arbeitsschritt geplant und vorbereitet haben. Die Ausstellung zeigt, in welchem historischen Zusammenhang das Altstadtmodell, die Arbeit der Brüder Treuner und die Geschichte der Frankfurter Altstadt stehen.
Familientradition: Handwerk und Kunst
Die Familie Treuner kam 1879 aus Thüringen nach Frankfurt und zog in die Altstadt. Der Vater und der Großvater der Brüder waren von Beruf Porzellanmaler. Die Brüder erlernten dasselbe Handwerk beim Vater und besuchten danach die Kunstgewerbeschule und das Städelsche Kunstinstitut. Beide verdienten anschließend als Künstler ihren Lebensunterhalt. Hermann vorwiegend als Maler, Robert durch den Modellbau. Vielleicht war es eine Mischung aus Kindheitserinnerungen vom Leben in der Altstadt, solider künstlerischer Ausbildung und enger familiärer Bindung, die zwischen den Brüdern bis zum Tod Roberts 1948 bestand, aus der sich die ungewöhnlich große Motivation der Brüder erklären lässt, über Jahrzehnte unermüdlich am Altstadtmodell zu bauen und auch unter widrigen Umständen die Arbeit nicht einzustellen.
Förderer und Partner
1822-Stiftung der Frankfurter Sparkasse, freunde & förderer des historischen museums frankfurt und Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main.
Information
Ort der Ausstellung
Kundenzentrum der Frankfurter Sparkasse
Neue Mainzer Straße 49
60311 Frankfurt am Main
Die Ausstellung ist zu sehen von
Dienstag, 17. Mai 2011 bis 30. September 2011.
Öffnungszeiten der Ausstellung
Montag bis Freitag, 9 bis 16 Uhr, Donnerstag 9 bis 18 Uhr.
Am Wochenende ist die Ausstellung geschlossen.
Eintritt ist frei.
Anfahrt
S-Bahn 1 bis 6, S-Bahn 8 bis 9, Station Taunusanlage
U-Bahn 1 bis 5, U-Bahn 8, Station Willy-Brandt-Platz
Konzeption und Organisation
historisches museum frankfurt
Dr. Petra Spona
Ausstellungsgestaltung
Exposition GbR, Frankfurt am Main
Martin Krämer und Sabine Gutjahr
Begleitbuch
Das Frankfurter Altstadtmodell der Brüder Treuner
Kunststücke des historischen museums frankfurt, Band 1, herausgegeben von Jan Gerchow und Petra Spona, mit Beiträgen von Oliver Elser, Jan Gerchow, Oliver Morr, Petra Spona, Michael Stöneberg und Christian Walter, 32 Seiten, 39 Abbildungen, Henrich Editionen, 2011
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Die Brüder Hermann und Robert Treuner, Erbauer des Modells der Frankfurter Altstadt, bei der Endfertigung des Doms, Fotografie von Hermann Spannring, 1932 (c) hmf, Foto: H. Ziegenfusz





