Möbel
Möbel als zentraler Bestandteil des Wohnens findet sich in nahezu allen kulturgeschichtlich geprägten musealen Sammlungen. Als materielle ‚Dingkultur' des täglichen Lebens in Frankfurt beschreibt und erklärt die Sammlung des historischen museums Wohn- und Lebensformen Frankfurter bürgerlicher Familien. Dabei demonstriert sie ein zeitlich weit gespanntes, vielseitiges Spektrum an Wohn-, Repräsentations- und Arbeitsmöbeln vom 17. Jahrhundert bis hin zu modernen Designobjekten.
Eine Besonderheit im historischen museum stellt die große Anzahl sog. Frankfurter Schränke dar. Hierbei handelt es sich um besondere Schranktypen, die unmittelbar auf die Möbelproduktion in Frankfurt zurückgeführt werden. Mit dem Wellenschrank und seiner weiterentwickelten Form – dem Ecknasenschrank – entwickelte die Frankfurter Schreinerzunft im 18. Jahrhundert einen Möbelstil, der in verschiedenen Ausführungen gefertigt wurde. Nicht allein handwerklicher Erfindungsgeist und Kunstfertigkeit der Schreinermeister machen die große Bedeutung der Frankfurter Schränke aus; sie verweisen auch auf die Dynamik einer starken Handwerkerzunft, die den Luxusansprüchen einer wohlhabenden Bürgerschaft in der Messe- und Krönungsstadt entsprechen musste.
Modellkommode um 1820
Innerhalb der jüngeren Möbelgeschichte ist die Sammlung „Frankfurter Küchen” sicher eine weitere Besonderheit der Main-Metropole. Margarete Schütte-Lihotzky entwickelte diese Vorläuferin der heutigen Einbauküche, die vor dem Hintergrund zunehmender Berufstätigkeit der Frauen neue Wege zur rationelleren Hausarbeit ermöglichen sollte. Ihre Erfindung wurde mit der Unterstützung des Architekten und Stadtplaners Ernst May in mehreren Varianten entwickelt und in Serie gebaut. Die normierte Küche wurde schließlich fester Bestandteil der von Ernst May geplanten Wohnungen in Frankfurt.
Obendrein verfügt die Sammlung über besondere Einzelobjekte, wie den Kunstkammerschrank der Familie von Barckhaus, einen Stollenschrank mit plastischen Figuren und Trophäenschmuck aus dem Besitz der Familie von Günderrode, Kabinettschränkchen aus Renaissance und Barock und eine interessante Gruppe von Modellmöbeln – allesamt handwerkliche Kostbarkeiten der frühen Möbelkunst. Nicht nur durch handwerkliche Meisterschaft, sondern auch als historische Zeitzeugen fanden die Möbel ihren Weg in die Sammlung. So gehört zum Bestand die Einrichtung des „Friedenszimmer” im Hotel zum Schwan in Frankfurt, wo am 10. Mai 1871 Reichskanzler Otto von Bismarck und der französische Außenminister Jule Favre den „Frieden von Frankfurt” zwischen Frankreich und dem neu gegründeten deutschen Reich unterzeichneten.








