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Mit dem Stadtlabor auf
Spurensuche im Heute –
Frankfurt und der NS

Stadtlabor-Ausstellung
9. Dezember 2021 bis 11. September 2022

Im Herbst 2020 begaben sich 38 Frankfurter*innen auf Spurensuche. Ihr Ausgangspunkt war die Gegenwart. Sie fragten, welche Orte oder Situationen sie persönlich an den Nationalsozialismus erinnern. In welchen Begriffen, Einstellungen oder Gefühlen finden sie Spuren und Fortwirkungen des NS, die unsere Gesellschaft immer noch prägen, auch wenn die Bewohner*innen der Stadt sich stark verändert haben?

In der Stadtlabor-Ausstellung sind 25 verschiedene Antworten auf diese Fragen zu sehen. Die Spurensuchen beginnen an Bunkern und Gedenkorten, in Familien oder Communities. Manche öffnen den Blick auf andere Gewalterfahrungen, die nicht in direktem Zusammenhang mit dem NS stehen. Und sie führen nicht zuletzt auch zu Nachwirkungen des NS, die sich als fortgesetzte Ausgrenzung oder rassistische Gewalt äußern.

Wer gehört zum Erinnerungskollektiv?

Das Stadtlabor „Auf Spurensuche im Heute“ möchte zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der „deutschen Erinnerungskultur“ anregen. Mit ihren zahlreichen Gedenktagen und -orten gilt sie als vorbildlich. Es gibt aber auch Stimmen, die sie als „Gedächtnistheater“ kritisieren, das der gesellschaftlichen Entlastung dient und eine aktive, individuelle Übernahme von Verantwortung verhindert.

Die Stadtlabor-Ausstellung vermittelt einen Eindruck davon, wie plural das heutige Erinnerungskollektiv ist. Gerade bei der Frage, wen die „deutsche Geschichte“ betrifft und wer an ihr in welcher Weise teilhaben soll, werden immer wieder homogene Vorstellungen von „Deutschsein“ sichtbar. Das Projekt soll dazu anregen, das Erinnern so offen und vielfältig zu denken, wie es der Realität in unserer Stadt und unserem Land entspricht. Unser Wunsch ist es, eine solidarische Erinnerungsgemeinschaft zu befördern, in der alle gemeinsam das Ziel verfolgen, Strukturen zu überwinden, die immer noch von Unrecht geprägt sind.

Mit dem Stadtlabor-Projekt werden aktuelle Impulse der kulturwissenschaftlichen Gedächtnisforschung und der Geschichtsdidaktik aufgegriffen. Beide Forschungsgebiete gehen von einem produktiven Verständnis von Erinnerung aus: Alle die hier leben, bringen individuelle Erinnerungen mit. Und wer sich auf NS-Spurensuche begibt, dessen Erinnerungen treffen auf lokale oder etablierte Gedenkpraxen. Dieses Aufeinandertreffen von Erinnerungen führt nicht zu einer Konkurrenz um Aufmerksamkeit, sondern es setzt neue Erinnerungen und Geschichtsbezüge frei.

Mit dem Spurensuche-Projekt wurde konkret ausprobiert, welche persönlichen Zugänge unterschiedliche Frankfurter*innen heute zur NS-Geschichte finden. Wie kann Teilhabe an der deutschen Geschichte gestaltet werden? Oder anders formuliert: Wie kann eine moderne, zeitgemäße und inklusive Erinnerungskultur aussehen?

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