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Willkomm-Humpen

Wer in die einflussreiche und alte Patriziergesellschaft „Alten Limpurg“ aufgenommen werden wollte, musste das Glas in einem Zug austrinken.

In Frankfurt gab es zwei Patriziergesellschaften: „Alten Limpurg“ und „Frauenstein“. Dort trafen sich die ältesten und wohlhabendsten Familien der Stadt. Dieser Becher war seit 1567 in der Trinkstube der Patriziergesellschaft Alten Limpurg bei der Aufnahme von neuen Mitgliedern wie Gästen in Gebrauch. Das Motto, das Hieronymus August von Holzhausen 1600 in den Becher einritzte, lautet dementsprechend: „DER WILKUM BIN ICH GENANT, GUTEN GESELLEN WOL BEKANNT.“

Die Patriziergesellschaften bildeten die Führungsschicht in der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadtgesellschaft und waren im Stadtrat vertreten. Patrizier waren Angehörige der Bürgerfamilien, die als Kaufleute oder Amtsinhaber in der städtischen oder adeligen Verwaltung wohlhabend und einflussreich geworden waren. Die Patriziergesellschaften trafen sich in Trinkstuben, die in direkter Nähe zum Rathaus gelegen waren. Wie Kaufmannsgilden oder Zünfte hatten sie so ihren eigenen Raum für gesellige Treffen. Der Name des Hauses, in dem sich die Gesellschaften trafen, wurde im Laufe der Zeit auch zu ihrem Namen. In den Stuben wurde viel gefeiert: Empfänge für bedeutende Gäste, Familienfeiern der Mitglieder oder Fastnachtsbälle und Bankette – und auch die Aufnahme neuer Mitglieder. Um aufgenommen zu werden, musste man das Frankfurter Bürgerrecht besitzen, angemessene verwandtschaftliche Verbindungen haben sowie einen standesgemäßen Lebenswandel führen. Männer wie Frauen waren zugelassen, allerdings hatten Frauen kein Stimmrecht.

Nach dem Trinken aus dem Willkomm-Humpen durften neue Mitglieder ihren Namen darauf verewigen. Es sind 62 Namen auf dem Becher verzeichnet, wovon die meisten aus dem Zeitraum von 1567 bis 1573 stammen. Da der Humpen 1.75 Liter fasst, war es nahezu unmöglich, den Becher in einem Zug zu leeren, wie es das Aufnahmeritual forderte.

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