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Prunkgefäß „Das Englische Monument“

Mit dem Prunkgefäß bedankten sich Glaubensflüchtlinge für die freundliche Aufnahme in Frankfurt.

Aus Glaubensgründen waren seit 1552 reformierte Flamen und Wallonen nach England geflohen. Mit Regierungsantritt der katholischen Königin Maria konnten sie dort nicht mehr bleiben. Unter der Führung von Valérand Poullain, einem Adeligen aus Lille, kam im März 1554 eine Gruppe von 40 Menschen nach Frankfurt, wo ihnen erlaubt wurde, sich niederzulassen. Ihren Lebensunterhalt verdienten sie mit der Herstellung von Bursat, einem Baumwollmischgewebe.

Die Glaubensvertriebenen, darunter auch eine Gruppe von Engländern, durften am 22. April 1554 in der Weißfrauenkirche ihren Gottesdienst in ihrer Sprache halten. Schon im folgenden Jahr kamen weitere 83 Wallonen und 14 Flamen nach Frankfurt. Unter den englischen Einwanderern befand sich auch John Knox (1505-1572), der spätere Reformator Schottlands. Zu ihm gesellte sich 1554 in Frankfurt der gelehrte Prediger John Foxe (1516-1587), der in einem 1563 erschienenen Buch die Reformationsgeschichte als Märtyrergeschichte darstellte. Als 1558 in England die Regierung der protestantischen Königin Elisabeth begann, konnte die englische Flüchtlingsgemeinde wieder in ihre Heimat zurückkehren.

Bei der Rückreise nach England beauftragten die Flüchtlinge einen Goldschmied in Antwerpen mit der Herstellung einer silbernen Kredenz. Es handelt sich um ein Trinkgefäß von 54 cm Höhe in Form einer ionischen Säule auf einem rechteckigen Podest. Dieses „Englische Monument“ ist vollständig vergoldet. Die Basis ziert das Wappen des englischen Adelsgeschlechtes der Tudor, das von zwei Löwen gehalten wird. Die lateinische Inschrift auf den übrigen Sockelseiten lobt die „Humanitas“, die Menschlichkeit, der Stadt Frankfurt. Der Deckel in Form einer Kuppel ist abnehmbar. Auf ihm steht eine männliche Figur mit Füllhorn. Mit diesem Pokal dankten die Engländer dem Frankfurter Rat für die erwiesene Gastfreundschaft.


CC-BY-SA: Historisches Museum Frankfurt, Foto: Horst Ziegenfusz, Foto: Uwe Dettmar
CC-BY-SA: Historisches Museum Frankfurt, Foto: Horst Ziegenfusz, Foto: Frank Plate