Zum Inhalt Zum Hauptmenü Zur Suche Zum Footer
Das Morgensternsche Miniaturkabinett III aktualisierte Hängung © HMF Horst Ziegenfusz
Eine Gruppe von Kindern betrachtet eines der Morgensternschen Miniaturkabinette
Dokumentation Sammler- und Stiftermuseum Kinderspur 2012 © HMF Uwe Dettmar

Das Miniaturenkabinet

Das Morgenstern'sche Miniaturcabinet (1796-1843)
Viele Künstler sammeln — sei es aus reiner Leidenschaft, als Ausdruck der Verehrung anderer Künstler, als ästhetisches Manifest oder aus Gründen des gesellschaftlichen Prestiges — Kunstwerke aller Art.
So be­saß­en auch die Maler Johann Ludwig Ernst Morgenstern (1738-1819), sein Sohn Johann Friedrich Morgenstern (1777-1844) und sein Enkel Carl Morgenstern (1811-1893) eine umfangereiche Kunstsammlung. Zu ihr gehörte eine ganz besondere Attraktion: „Das Morgenstern'sche Miniaturcabinet”. So steht es auf den Giebeln von drei Kabinettschränken, die aus dem Besitz der Frankfurter Künstlerfamilie Morgenstern stammen. Diese Gemäldegalerie en miniature, entstanden zwischen 1798 und 1843, ist ein außergewöhnliches Zeugnis der Malerei- und Restaurierungsgeschichte und heute als Teil der Dauerausstellung „Frankfurter Sammler und Stifter” im Altarraum des Stauferturms im Sammlermuseum ausgestellt.

Johann Ludwig Ernst fasste — wie er selbst schrieb  1798 den folgenschweren Entschluss, zu seinem Vergnügen eine Sammlung von ihm gefertigter kleiner Kopien in verjüngtem Maßstab nach den besten Originalen berühmter Meister alter, mittlerer und neuerer Zeit zu sammeln und sie in drei tragbare Schränkchen zu ordnen. Bis zu seinem Tode 1821 schuf er für die Schränkchen über 150 Miniaturkopien; danach übernahm Johann Friedrich die Regie und fertigte seinerseits gut 50 Kopien, vom Enkel Carl stammt lediglich ein Bildchen. Der Schwerpunkt des Miniaturkabinetts liegt, was typisch ist für Frankfurt, bei den niederländischen Malern des Goldenen Zeitalters,  den großen Vorbildern der Morgensterns und bei deren deutschen Nachfolgern des 17. und 18. Jahrhunderts. Eine besondere Vorliebe hegte die Malerfamilie für Landschafts­ und Genregemälde, zwei Gattungen, die in der niederländischen Kunst an Bedeutung gewonnen hatten. Eine dritte umfangreiche Gruppe bilden profane und sakrale Historiengemälde.

Carl Morgenstern (oder seine Mutter ) veräußerte das Miniaturkabinett 1857 vermutlich infolge von Geldnöten für 1.800 Gulden an den Frankfurter Kunsthändler Anton Baer. Dem Kronberger Kunsthändler Uwe Opper gelang es die Kabinette in England aufzuspüren, sie 1979/1980 von zwei verschiedenen Eigentümern zu erwerben und nach Frankfurt zurückzubringen. Das mittlere Kabinett kam in den Besitz des Bankhauses Gebrüder Bethmann, das es dem Goethe­-Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung stellte. Die beiden äußeren Kabinette kaufte die Stadt Frankfurt für das HMF an.

Die Malerfamilie Morgenstern

Johann Ludwig Ernst, Johann Friedrich und Carl Morgenstern

Johann Ludwig Ernst Morgenstern (1738-1819) betätigte sich in Frankfurt vielfältig als Maler, Kopist und Restaurator, als Kunstagent und Händler. Nach der Lehre und den Wanderjahren ließ er sich 1772 endgültig in Frankfurt nieder. Das Frankfurter Bürgerrecht erlangte er 1776, lieferte sein Meisterstück im Rathaus ab und heiratete noch im selben Jahr Anna Maria Alleinz. Morgensterns eigenständiges Werk umfasst neben, an Rugendas und Wouwerman angelehnten, Schlachtengemälden und einigen Stadtveduten und Gefängnisinterieurs vor allem niederländisch beeinflusste Kirchenräume, auf die er sich spezialisiert hatte. Johann Friedrich Morgenstern (1777 - 1819) sollte sowohl als Künstler als auch als Restaurator in die Fußstapfen seines Vaters treten und sich überdies als Gutachter und Verfasser von Auktionskatalogen betätigen. Sein Werk umfasst eine Reihe an Landschaften aus der Umgebung von Frankfurt, vor allem aber Veduten und Gebäudeansichten seiner Vaterstadt. Der ebenfalls in Frankfurt geborene Enkel Carl Morgenstern (1811-1893) verwirklichte den Traum vieler deutscher Maler und besuchte von 1834 bis 1837 Italien, um dort die Kunst der Alten zu studieren. Er etablierte sich in Frankfurt als Landschaftsmaler, betätigte sich jedoch kaum noch als Restaurator.