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Miniatur des Mainzer Gutenbergdenkmals

Die Revolutionäre des Frankfurter Wachensturms bildeten im Gefängnis das Mainzer Denkmal ihres Freiheitshelden Gutenberg als „Brotmännchen“ nach.

Am 3. April 1833 stürmten circa 50 vorwiegend studentische Aufständische die Frankfurter Hauptwache und die Konstablerwache („Wachensturm“). Sie wollten die beiden Publizisten Funck und Freyeisen befreien. Im revolutionären Siegestaumel sollte danach das Palais Thurn und Taxis als Regierungssitz des Deutschen Bundes besetzt und die Republik ausgerufen werden. Dieser Versuch einer deutschen Revolution nach dem Vorbild der französischen Julirevolution von 1830 scheiterte kläglich, auch weil die Frankfurter Bürger nicht mitzogen. Die überlebenden Teilnehmer des Aufstandes flohen ins Ausland oder wurden inhaftiert; in der Konstablerwache saßen sie bis 1838 ein.

Das fast 40 cm hohe Miniaturdenkmal von Johannes Gutenberg, dem Erfinder des Buchdrucks im 15. Jahrhundert, formten die Inhaftierten aus gekautem Brot. 1840 – zur Vierhundertjahrfeier von Gutenbergs Erfindung – wurde es in Frankfurt zugunsten der Angehörigen der Inhaftierten versteigert. 1973 wurde es für die Museumssammlungen erworben.

Vorbild dieser einzigartigen Miniatur war das Mainzer Gutenbergdenkmal, das der dänische Bildhauer Bertel Thorwaldsen 1837 für den Gutenbergplatz gegossen hatte. Der Buchdruck galt seit der Französischen Revolution als ein Symbol des Fortschritts: Diese Technik stand für die Verbreitung von Wissen, für Aufklärung und Zivilisation. Deshalb wurde Gutenberg von demokratisch gesinnten Bürgern als früher Revolutionär verehrt. Das Frankfurter Gutenbergfest vom 24. Juni 1840 fand dementsprechend unter großer Anteilnahme der Bevölkerung statt; über 50 Vereine und Zünfte präsentierten sich mit neu gestalteten Fahnen. Es stand in einer Reihe mit „Kulturfeiern“, die jeweils nationale Gefühle und demokratische Ziele zum Ausdruck brachten, wie z.B. das Mozartfest als Erstes Deutsches Sängerfest 1838, die Einweihung des Goethedenkmals 1844 oder der Germanistentag von 1846.

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