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31 Originalverpackte Klischees (Druckformen) mit verschiedenen Versionen des Frankfurter Adlers)

Alles neu und sachlich – auch das Stadtwappen, der Frankfurter Adler, sollte den Aufbruch in die Moderne markieren.

Der Frankfurter Adler hat im Lauf der Jahrhunderte häufig sein Aussehen geändert, aber nie so radikal wie in den Entwürfen des Grafikers Hans Leistikow. Er gehörte zum Team um Stadtbaurat Ernst May und leitete von 1925 bis 1930 das städtische Drucksachenbüro. Dort überarbeitete er alle Geschäftspapiere und sonstigen Drucksachen der Stadt im Stil der Neuen Sachlichkeit. Dies bedeutete einen Verzicht auf allen Schmuck und Schnörkel. Die Gestaltungselemente bestanden aus klaren, geometrischen Formen, waagrechten und senkrechten Linien und kontrastreichen Farben. Solche streng funktionalen Strukturen sollten nicht nur das Schriftbild, sondern das gesamte Bild der Neubauten wie der Großmarkthalle, der Schulen oder der Siedlungshäuser bestimmen.

Die Konfrontation mit diesen völlig ungewohnten Formen war eine Herausforderung für viele Bürger/innen und entsprechend aufgeregt waren die Reaktionen, besonders wegen des neuen Adlers. Man sah das Hoheitszeichen, das die Stadt würdevoll darstellen sollte, beschädigt. Die Auseinandersetzung zwischen den Vertretern des Fortschritts und den Traditionalisten – ein nicht untypischer Frankfurter Konflikt – wurde im Stadtparlament, in der Presse und in der Bevölkerung geführt. Bezeichnungen wie „Stadtmaikäfer“, „gerupfter Spatz“ oder „verkümmerte Eintagsfliege“ machten die Runde. Wegen der Proteste wurde der Leistikow-Adler nicht als offizielles Stadtwappen verwendet. Die Geschäftspapiere der Stadtverwaltung wurden jedoch damit bedruckt. Dafür waren die Druckformen wohl bestimmt, die aber unbenutzt in der Verpackung des Herstellers blieben. Ab 1930 sollte der Adler überhaupt nicht mehr zum Einsatz kommen. Noch vorhandenes Briefpapier durfte aber, ganz praktisch, aufgebraucht werden. Allerdings befindet sich noch heute auf der Rückseite der Ehrenplakette der Stadt Frankfurt der Leistikow-Adler.

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